Geschichte & Kultur
Barcelona als wichtiges Stück spanischer Geschichte
Wer sich vorab schon ein wenig über die Geschichte Barcelonas informiert, wird es auf seiner Sprachreise einfacher haben. In Barcelona ist so gut wie jede Straßenecke geschichtsträchtig.
Die Griechen und Römer beeinflussten die Kultur der Bevölkerung im damaligen Barcelona entscheidend. Im Laufe der Jahrhunderte kristallisierte sich die iberische Kultur heraus – eine der wichtigsten antiken Kulturen in Europa.
Im Jahr 600 vor Christus gründeten die Griechen zwei wichtige Städte: die älteste Stadt an der Küste Frankreichs –Marseille als Handelsniederlassung und die erste Stadt an der südspanischen Küste – das etwas nördlich von Barcelona gelegene Empurion (Empúries). Überbleibsel aus der Zeit können in Empúries heute noch besichtigt werden.
Westgoten beeinflussten die iberische Stadt Barcelona
Die Griechen und Römer bezeichneten alle Bewohner, die in der Nähe des Flusses Iberus (Ebro) lebten, als Iberer. Der Fluß im Nordosten Spaniens ist mit etwa 925 Kilometer der zweitlängste Fluss der Iberischen Halbinsel. Später wurde der Begriff auf die gesamte Halbinsel ausgedehnt.
Barcelona wurde nur wenige Jahre vor Christus gegründet. Was heute die Altstadt ist, ist das eigentliche, 2000 Jahre alte Barcelona – Barcino. Eine Mauer mit zwei Wachtürmen schütze die Stadt und zwei Aquädukte lieferten frisches Wasser aus den Bergen. Teile der Mauer und der Türme sind im Museu d'Història de la Ciutat noch heute zu sehen.
Westgoten drangen zur Zeit der Völkerwanderung nach Barcelona ein. Das Imperium Romanum zerfiel in dieser Zeit, hatte wenig Einfluss und so wurde Barcelona zur westgotischen Hauptstadt.
Barcelona wird französisch – Mauren wandern ein
Zu Beginn des 8. Jahrhunderts begann für die iberische Halbinsel ein ganz neues Kapitel: Im Jahre 711 kamen arabische Berber von Nordafrika an die Südspitze Spaniens. Die Mauren – so wurden die arabischen Siedler in Europa genannt – breiteten sich allmählich auf der iberischen Halbinsel aus und machten Córdoba zu ihrer Hauptstadt.
Noch hatte Barcelona nichts mit den Mauren zu tun – im Gegenteil, die Stadt wurde von Karl dem Großen beschlagnahmt und gehörte ab dem Jahr 801 erstmal zu Frankreich.
Der Einfluss der Mauren auf der iberischen Halbinsel war groß, sie eroberten die Balearen und Künstler und Gelehrte siedelten auf die iberische Halbinsel. Die Mauren lehrten den Iberern, effektiven Ackerbau zu betreiben. So wurde aus dem Emirat Córdoba ein wirtschaftliches Zentrum in Europa.
Die Mauren breiteten sich auf der gesamten Halbinsel aus, doch einen Teil konnten sie nicht erobern: Barcelona und das Territorium um die Stadt. Eine unabhängige Grafschaft bildete sich in Barcelona, die zwischen französischer und maurischer Herrschaft stand.
Reconquista
Im 10. Jahrhundert zerfiel das Emirat Córdoba und auch die restlichen spanischen Gebiete zersplitteten sich. Die Grafschaft Barcelona schloss sich mit dem Königreich Aragón zusammen und rückte in die südlich gelegenen islamischen Gebiete der Mauren vor. Gleichzeitig rückten von Norden die Kastilier und von Westen die Portugiesen auf das Gebiet der Mauren vor. Die Rückeroberung des Landes wurde als Reconquista bezeichnet.
Da die einzelnen Königreiche jedoch unabhängig voneinander ihre Eroberungszüge starteten, dauerte es sehr lange, bis das ganze Land wieder im Zeichen des Christentums stand. Die Reconquista endete im späten 15. Jahrhundert.
Der Begriff Reconquista wurde auf der iberischen Halbinsel erst verwendet, nachdem er in der Neuzeit von der französischen Forschung eingeführt wurde. Erst dann gelangte der Begriff in die spanische Geschichtsschreibung.
Das große Königreich Aragón dehnte sich immer weiter aus. Zuerst wurden französische Gebiete erobert, die allerdings später wieder verloren gingen. Jaume der Erste (der Eroberer) richtet seine Expansionspolitik in den Mittelmeerraum. So wurden die Inseln Mallorca und Ibiza erobert, die heute auch katalonsich sind.
Viele Menschen aus den Pyrenäen bevölkerten das heutige Katalonien, da der Platz in den Bergen während der Völkerwanderung knapp wurde. Nun ist auch klar, warum die katalonische Sprache, die Sprache in Barcelona, sehr viel Ähnlichkeiten mit der französischen Sprache hat.
Zusammenschluss Kataloniens mit Kastilien
Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde Katalonien zu einer großen Mittelmeermacht. Lange Zeit gab es Streitigkeiten und Rivalitäten zwischen Katalionien und Kastilien und zu Beginn des 16. Jahrhunderts waren Barcelona und Katalonien kein eigenes Königreich mehr.
Das vereinte Katalonien und Kastilien wurde dem großen Habsburger Reich unter Karl dem Ersten angeschlossen. Als Sonderrecht galt aber: Sie durften ihre katalanische Sprache beibehalten. Dennoch gab es in einem vereinten Land zwei Volksgruppen: Herrscher und Unterdrückte. Dass es unter solchen Bedingungen im Laufe der Jahre zahlreiche Aufstände und Unruhen im Lande gab, kann man sich beinahe denken.
Barcelona wird unabhängig
Ende des 19. Jahrhunderts waren die Gegensätze zwischen dem hoch industrialisierten Katalonien und dem landwirtschaftlichen Kastilien so hoch, dass sich bei den Katalanen ein neues Selbstwertgefühl und ein neuer Patriotismus entwickelten. Die katalonische Sprache und Kultur blühte erneut auf.
Die wohl bekannteste und bedeutendste Bewegung im Zuge dieser Renaissance ist die Entwicklung einer neuen Kunstrichtung: Modernisme. Barcelonas Stadtbild ist auch entscheidend vom Modernisme geprägt. Der bekannteste Künstler des Modernisme ist Antoni Gaudí. Er setzte Wahrzeichen dieser Kunstrichtung in Barcelona, die auch heute zu erkennen geben, dass hier nicht von anderen kopiert, sondern Eigenes unabhängig entwickelt wurde.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts platzte Barcelona aus allen Nähten: Die Stadt musste vergrößert werden, die alte Stadtmauer hatte schon längst an Bedeutung verloren, Barcelona boomt zur Zeit der Industrialisierung.
Wer heute einen Spaziergang durch das Viertel Eixamples macht, wird erkennen, was die Architekten und Städteplaner von damals aufbauten: ein neuer, riesiger Stadtteil im Schachbrettmuster, mit großzügigen, breiten Straßen und gleichmäßig gebauten Häuserblöcken mit Innenhöfen.
Barcelona heute
Das 20. Jahrhundert war eigentlich das bedeutendste für Barcelona: In keinem Jahrhundert zuvor gab es für die Stadt mehr "Achterbahnfahrten".
Kulturelle Unabhängigkeit wird diskutiert und durchgesetzt: Das Institut für die katalanische Sprache wurde gegründet. Heute dominiert die katalanische Sprache, auch an Schulen und Universitäten. Wer nach seiner Sprachreise in Barcelona bleiben möchte, sollte zusätzlich auch ein wenig Katalan sprechen können.
Ein politisches Organ wurde geschaffen, dass Barcelona und Katalonien unabhängig von der spanischen Regierung regiert. Insbesondere ältere Menschen sind noch ganz schlecht auf das übrige Spanien zu sprechen. Und man hüte sich davor, so einen Menschen als Spanier anstatt Katalonier zu bezeichnen. Selbst wenn Barcelona nicht die Fußballmeisterschaft gewinnt – Schuld findet sich in Spanien...
