Geschichte & Kultur
Sprachreisen nach Moskau – so etwas existiert kein zweites Mal
Wer eine Sprachreise nach Moskau macht, lernt nicht nur die Sprache, sondern auch die Geschichte. Die Geschichte Moskaus ist wie die die Straßen der Stadt: verwinkelt, schmuddelig aber auch malerisch. Die Geschichte Moskaus ist die Geschichte Russlands.
Der Deutsche sagt „Moskau“, der Brite „Moscow“ und der Russe, das letzte „a“ betonend, „Maskwa“. Trotz sprachlicher Differenzen sind sich alle einig: Moskau gibt es kein zweites Mal und auch diese Geschichte ist einzigartig. Heute ist es kaum vorstellbar, dass die Megacity einmal ein Dorf war. Davor war die Stadt sogar nur eine Siedlung von Jägern und Sammlern.Die slawischen Stämme Wjatitschi und Kriwitschi ließen sich dort nieder und bildeten somit den Kern der Urbevölkerung Moskaus. Als Stadt wurde Moskau erst im Jahr 1147 erstmals erwähnt.
Der erste Kreml
Im Jahr 1156 wird in Moskau die erste Befestigungsmauer aus Holz, der „Detinjez“, hochgezogen. Die hölzerne Befestigung wird 200 Jahre später erneuert und erweitert. Sie ist nun stabiler und erhält daher den Namen „Kreml“, was auf Deutsch „Burg“ heißt. Moskau hat sich zu dem Zeitpunkt zu einer wichtigen Handelsstadt entwickelt und sich auf das sechsfache ausgedehnt. Moskau konkurriert mit dem angrenzenden Fürstentum von Wladimir und Susdal.
Der zweite Kreml
Ende des 14. Jahrhunderts entsteht eine neue Stadt. Während Dmitrij Donskojs Herrschaft erhält die Stadt ein neues Gesicht. Baumeister des Zaren errichten einen neuen Kreml, diesmal aus Stein. Gleichzeitig werden Klöster gebaut. So entstanden binnen kürzester Zeit Wysokopetrowski (1380), Roschdestwenski (1386), Srtetenski (1397), Danilow (1382), Andronikow (1362) und Simonow (1379). Iwan der dritte wird zum Moskauer Großfürsten ernannt und das Moskauer Reich wird größer.
Iwan befreit die Städte Nowgorod, Twer, Wjatka und Perm von mongolisch-tatarischen Fremdherrschaft. Die Städte schießen sich Moskau an. Mit Iwan dem dritten an der Macht wird Moskau italienisch.
Iwan III. europäisiert Moskau
Der Herrscher Iwan will seine Stadt, Moskau, verschönern und lädt italienische Architekten ein. So schuf zum Beispiel der italienische Architekt Fioravanti die Mariä-Entschlafens-Kathedrale (Uspenskij Sobor). Andere Italiener legen bei der Erzengel-Kathedrale und dem „Iwan der Große“-Glockenturm Hand an. Im Zuge der Verschönerung Moskaus werden der Rote Platz und Kitaj-Gorod zu Marktvierteln und der Kreml wird als eine der sichersten Festungen Europas angesehen.
Moskau wird das dritte Rom im Jahr 1453
Im Jahr 1453 wird Konstantinopel, das sogenannte zweite Rom erobert und damit wurde Moskau zum dritten Rom. Das glaubt zumindest die orthodoxe Kirche. Die Geschichte Roms wird nun in Moskau fortgesetzt, klar das der Großfürst Wasili III nichts gegen diese Theorie einzuwenden hatte. Anlässlich der Geburt seines Sohnes Iwan IV., der als „der Schreckliche“ in die Geschichte eingehen sollte, lässt Wasili III. in Kolomenskoje die Christi-Himmelfahrts-Kirche errichten. Im Jahr 1547 besteigt Iwan IV. den Thron und wird somit der erste „Cäser“ Russlands. Die Theorie vom 3. Rom setzt voraus, dass von nun an alle russischen Monarchen als Cäsaren, also Imperatoren, bezeichnet werden müssen. Iwan IV. ist demnach der erste Zar Russlands. Zar ist die russische Bezeichnung für Cäsar, also Kaiser.
Der zweiter Zar: Peters der Große und seine Reformen
Mit Peter dem Großen an der Macht soll Moskau zur Provinz werden. Zar Peter der Große herrschte ab 1689 über das Russisches Reich. Der Reformer beschließt 1703, eine neue Hauptstadt zu erichten: Sankt Petersburg. Der gesamt russische Hof mit Verwaltungsapparat zieht dorthin. Im Jahr 1712 ist das „Fenster zum Europa“ fertig. In Moskau stoppen alle Bauvorhaben. Jetzt wird in Stankt Petersburg investiert.
Oktoberrevolution - Das Pulverfass geht hoch
Am 7. November 1917 stürmen die Bolschewiki den Winter-Palais in Sankt Petersburg und rufen die Räterepublik aus. Damit nimmt die 75 Jahre lang anhaltende Sowjetmacht in Russland ihren Anfang.In Moskau versuchen zarentreue Offiziere vergebens, den Kreml zu halten. Bereits am 16. November kontrollieren Einheiten der „Roten Garde“ die Stadt. Im Jahr 1918 wird Moskau wieder Hauptstadt.Am 11. März 1918 wird Moskau auf Anweisung Lenins wieder Hauptstadt, dieses Mal die der Sowjetunion. Die Lenin-Regierung zieht in den Kreml, Banken und Privatunternehmen werden verstaatlicht. Ländereien- und Fabrikenbesitzer, meist adliger Herkunft, fliehen ins Ausland. Trotz Revolution und Bürgerkrieg wächst die Einwohnerzahl Moskaus. Viele neu gegründete Ministerien – jetzt „Kommissariate“ genannt – brauchen Personal. Die Arbeiterklasse erfährt, was eine Gemeinschaftswohnung ist.
Zerfall und Wachstum
Der Krieg erschöpft die Sowjetunion. Dennoch träumen viele unter Stalin weiter von einer kommunistischen Metropole. Im Jahr 1991 wurde die Sowjetunion nach 74 Jahren endgültig aufgelöst. Moskau wird wieder Hauptstadt: Hauptstadt der Russischen Föderation.Eine schwere Zeit bricht nun in Russland an: Reformen, Privatisierung, Massenarmut, Oligarchen, Tschetschenienkrieg. Neuordnungen betreffen auch Moskau. Das Stadtgebiet wird nach Verwaltungsbezirken und Präfekturen aufgeteilt. Die Stadt wird zentraler, als je zuvor. Hier wird Russlands Politik gemacht.Unter neuen Politikern entwickelt sich ein Renovierungsboom, besonders in Moskau. Nach dem Motto "Was nicht passt, wird passend gemacht" wird gebaut. Historische Gebäude weichen modernen Banken, Großunternehmen und Hotels. Moskau wird zur Megametropole mit Gegensätzen: Straßenkinder zwischen Glanz und Glamour.
