Geschichte & Kultur
Kapstadt, die Mother City
Kapstadt wird Mother City genannt. Nicht, weil alles, was man in Kapstadt anfängt neun Monate lang dauert, sondern weil es die erste Stadt auf südafrikanischem Boden war. Vor der Stadtgründung besiedelten die Khoi und San („Buschmänner“), die westliche Kapprovinz.
Bis zum Jahr 1652 gab es Kapstadt noch gar nicht. Da gab es den Tafelberg, das Meer, die weißen traumhaften Strände und einige Menschen, die dort siedelten und sich selbst ernährten. Bantu-Stämme aus Schwarzafrika wanderten an dieses Fleckchen Erde und lebten mit den heimischen Stämmen Khoi und San trotz unterschiedlicher Hautfarbe miteinander. Die Khoi und San sind heller und auch kleiner als die meisten Bantu-Völker.
Das Ende der Welt – die Südspitze Afrikas
Offizielle Berichte über das Land an der Südspitze Afrikas gibt es erst seit 1487. Der portugiesische Seefahrer Bartholomeu Diaz umsegelte 1487 offiziell die Kapspitze. Zehn Jahre später segelte Vasco da Gama, wieder ein Portugiese, um das Kap und beschrieb den Seeweg nach Indien. Vasco da Gama landet in der Sankt Helena Bay nördlich vom Kap. Er berichtet in seinen Aufzeichnungen, von Menschen mit brauner Hautfarbe, die sich von Seelöwen, Gazellen und von Pflanzenwurzeln ernähren. Später landet er auch noch in der São Braz Bay, dem heutigen Mossel Bay und nimmt Wasser auf.
Portugiesen am Kap
In den Jahren 1500 bis 1510 reisten viele Portugiesen nach Südafrika, um nach Indien zu gelangen. Trotz Sturm und tödlichen Unfällen bleiben die Portugiesen hartnäckig und bereisen immer wieder den Seeweg nach Indien, am mysteriösen südlichen Afrika vorbei. Im Jahr 1503 landete Antonio d'Saldana in einer Bucht nördlich des Kaps – die Tafelbucht, Table Bay. Die heutige Saldanha Bay liegt etwa 80 Kilometer nördlich von Kapstadt und wurde nach dem Seefahrer benannt. Generell erinnert die Westküste von Südafrika eher an Portugal als an alles andere.
Engländer am Kap
Der berüchtigte Freibeuter Francis Drake umrundet 1580 auf seiner Weltreise das Kap und beschreibt es in seinem Logbuch als gefahrlos. Zurück in England wird er zum Ritter geschlagen und ging als Sir Francis Drake in die Geschichtsbücher ein. Zwanzig Jahre später landet der englische Admiral James Lancaster mit einer kleinen Flotte am Kap und bleibt zwei Monate dort. Er kauft Lebensmittel vor Ort und kommt mit den „schnalzenden, aber freundlichen Menschen“ in Kontakt. Später, um 1814 sollen englische Gouverneure ans Kap kommen und das Land am Kap durch den "Londoner Vertrag" zur britischen Kronkolonie machen. Der erste regelmäßige Postservice, zwischen Großbritannien und dem Kap, wird eingerichtet.
Niederländer am Kap – Kapstadt wird zur Hafen-Raststätte
Die Verenigde Oostindische Compagnie (VOC), auch Jan Compagnie, wird im Jahr 1602 in den Niederlanden gegründet und wird innerhalb von wenigen Jahren das größte Handelsunternehmen der westlichen Welt. Im Jahr 1652 landen Holländische Siedler unter Führung von Jan Van Riebeeck in der Tafelbucht. Nun wird Kapstadt gegründet, als Versorgungsstation der Seefahrer. Der heutige Companies Garden im Zentrum Kapstadts war der Gemüsegarten der Versorgungsstation. Die Siedlung am Kap wuchs in den 150 Jahren niederländischer Herrschaft und wurde zu einer wichtigen Hafen-Raststätte zwischen Europa und Asien.
Asiaten am Kap
Ende des 17. Jahrhunderts wurden die ersten asiatischen Sklaven von Batavia / Java – aus den Handelsgebieten der Holländer ans Kap deportiert. Sie sollen dort für die Seeleute arbeiten. Weitere Sklaven treffen aus aus West-Afrika, Java und Madagaskar in Kapstadt ein. Langsam kamen die ersten Unruhen auf: Auseinandersetzungen zwischen den weißen Siedlern und den schwarzen Einheimischen traten auf. Nur wenige weiße Siedler aber hunderte Khoi verloren dabei ihr Leben. Jan van Riebeeck wird Kommandant am Kap und ist begeistert vom fruchbaren Boden, lässt Wein und stachelige Hecken anbauen, um den Lebensraum der Sklaven in Sondergebiete abzutrennen. Kapstadt hat zu diesem Zeitpunkt etwa 500 Einwohner, davon sind etwa 100 Sklaven.
Farmen und Weingüter entstehen
Ende des 17. Jahrunderts, anfang des 18. Jahrunderts entstehen um Kapstadt herum die ersten Farmen und Weingüter. Ortschaften wie Stellenbosch, Paarl und Steenberg werden gegründet. Eine Schiffsladung Hugenotten kommt ans Kap, da es in Frankreich Unruhen gab. Sie gründeten den Ort Franschhoek (französische Ecke) und taten viel für die Kultivierung des Weinanbaus.
Als die VOC am Ende des 18. Jahrhunderts nahezu bankrott war, wurde die Stadt eine leichte Beute für britische Imperialisten, die ihr Einflussgebiet in diese Region erweitern wollten.
Kapstadt entwickelt sich rasant
Unter englischer Herrschaft entwickelt sich Kapstadt von Jahr zu Jahr. Eisenbahnstrecken von Kapstadt in die nähere Umgebung werden gegründet, immer mehr Siedler kommen ans Kap, eine Universität wird gegründet. Englisch wird unter Englischer Herrschaft Amtssprache und das Afrikaans der Farmer, die Sprache, die sich auch dem Holländischen und dem Sklavenmix gebildet hat, wird geduldet. Die Engländer und die Buren bekriegen sich um die Herrschaft und Handelsnation. Im Jahr 1910 entsteht die südafrikanische Union (Kapland, Natal, Oranjefreistaat und Transvaal). Die von der weißen, rein burisch-britischen, Minderheit getragene Union erhielt den Status eines sich innerhalb des britischen Empires selbst regierenden Staates.
1923 beginnt die Apartheit: In Kapstadt erfolgte die Trennung der Stadtteile nach Rassen. Die schwarzen Südafrikaner verlieren das Wahlrecht. Afrikaans wird neben Englisch offiziell zweite Landessprache.
Bis zum Jahr 1994 herrschte in Kapstadt und in der gesamten Republik Südafrika die Apartheit. Stadtteile, Straßenseiten, Schulen, Universitäten, Berufe, einfach alles wurde nach Hautfarben klassifiziert. Je dunkler die Haut, desto weniger Wert der Mensch.
Kapstadt und Tourismus
1994 gab es in Kapstadt und in Südafrika die ersten demokratischen Wahlen seit der Apartheid. Nelson Mandela wird Präsident und die Republik kehrt als Mitglied in das Commonwealth zurück. Mit einer neuen Flagge, einem neuen Präsidenten und der Friedensbotschaft schafft Mandela ein friedliches Land. Jetzt profitiert gerade Kapstadt vom Tourismus, und wie damals, um 1900, entwickelt sich Kapstadt auch jetzt rasant – die Mother City ist eine hippe stylische Metropole am Kap.
